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Es heißt, dass Daisuke Nishina, nachdem er sich in den 80er
Jahren des 12. Jahrhunderts im Gempei-Krieg (siehe auch Zeittafel Japans)
in einer Schlacht gegen die
Taira-Truppen auf der Seite der Verlierer befunden hatte, in die Provinz
Iga floh (der Name Gempei ergibt sich aus der chinesischen Aussprache der Namen
der beiden befeindeten mächtigen Familien Minamoto (Gen) und Taira
(Hei).
Dort traf er auf Kagakure Doshi (auch Kain Doshi genannt), von dem er Ninjutsu erlernte. Zudem übte er sich mit dort auf dem Berg Heizan lebenden Tendai-Mönchen im Kaihogyo (Shugendo). Kagakure Doshi war ein Krieger aus der Hakuun Ryu, einer von Garyu Doji gegründeten und später von Hakuun Do -- dem Lehrer von Kagakure Doshi -- vervollständigten Ninjutsuschule. Die Hakuun Ryu soll die Kraft von vier Dämonen genutzt haben: die des Feuerdämons, des Erddämons, des Winddämons und des Schattendämons. Daisuke Nishina vereinte das von Kagakure Doshi erlernte Wissen sowie die im Shugendo gewonnenen Einsichten und Erfahrungen in der -- zunächst nicht formalen -- Gründung der Togakure Ryu. Der zweite Großmeister der Ryu -- Shima Kosanta Minamoto No Kanesada -- war ein ehemaliger Samurai im Rang eines Kosho in den Diensten eines der damals mächtigsten Samuraibefehlshaber -- Kiso Yoshinaka -- des Minamoto-Clans gewesen. Die Togakure Ryu wurde von ihrem dritten Großmeister -- Goro Togakure -- entscheidend strukturiert.
Shinryuken Masamitsu Toda, der 32. Großmeister (Soke) der Togakure Ryu und ebenfalls Meister der Bikeshin Ryu, war Mitte des 19. Jahrhunderts Seniorausbilder der Leibwache des Shoguns Tokugawa.
Die heutzutage im Bujinkan ausschließlich von Soke Dr. Masaaki
Hatsumi abgenommene Prüfung zum fünften Dan (Godan-Test / Sakkijutsu)
geht auf die Togakure Ryu zurück und ist in deren Pergamentrollen
(Densho) erwähnt.
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Bedeutende Prinzipien der Togakure Ryu waren das Bewusstsein, dass Gewalt vermieden werden und das Schwert ausschließlich zur Wahrung des Friedens sowie zum Schutz des Landes und der eigenen Familie eingesetzt werden durfte.
In der Togakure Ryu gab es neun verschiedene Ausbildungsdisziplinen (Happo Bikenjutsu):
Die Togakure Ryu verfügte über einige «Geheimwaffen»: 1. Senban Shuriken Jutsu (der Senban Shuriken wurde ausschließlich von der Togakure Ryu benutzt); 2. Shuko (eiserne Handkrallen), 3. Shindake (Bambusschnorchel), 4. Tetsubishi (mehrspitzige Fußdorne), 5. Metsubushi (Blendstoffe).
Es gab 36 Wissensgebiete, die ein Ninja zu meistern hatte: die zehn Kampfkunstgebiete (genannt Bugei Juhappan) sowie die zehn Kategorien der geheimen Techniken (genannt Ninja Juhakkei). Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer wieder neue Listen zusammengestellt, was die Bugei Juhappan angeblich beinhalteten. Nachfolgend ist eine umfassendere -- dafür aber auch authentische und wohl auch wahrscheinliche -- Zusammenstellung wiedergegeben.
Am wichtigsten unter den oben angeführten Wissensgebieten sind Senshin Teki Kyoyo (Spirituelle Meditationstechniken) und Tai Jutsu (Unbewaffnete Selbstverteidigung). Beide zusammen verleihen dem Ausübenden Kräfte, die einem Außenstehenden «übernatürlich» erscheinen mögen. Wenn man Seishin Teki Kyoyo beherrscht, sowie die Philosophie des Ninjutsu verinnerlicht hat, dann kommen die entsprechenden Kampfstrategien in jeder Situation von ganz allein; beherrscht man darüber hinaus auch noch die Kunst des Tai Jutsu, welche die Grundlage für alle Kampfkünste bildet, dann kann man jegliche andere Kampfkunst spielend meistern.
Ninja wird normalerweise in chinesischen Kanji geschrieben und
zerfällt bei chinesischer Aussprache in zwei Ideogramme: Nin
(auf Japanisch mit zusätzlicher phonetischer Endung = Shinobi)
und Sha (auf Japanisch Mono [=Person]).
Wenn man Ninja mit der zusätzlichen Einfügung des phonetischen Zeichen bi zwischen den beiden Ideogrammen (Nin und Sha) schreibt, muss das Ergebnis auf Japanisch Shinobi-mono bzw. mit dem phonetischen Zeichenzusatz Shinobi-no-mono gelesen werden.
Das Kanji Nin oder Shinobi bedeutet je nach phonetischer Aussprache versteckt, geheim oder ausdauernd und besteht aus zwei Teilen. Der obere Teil bedeutet Ken (Schwert), der untere Teil Kokoro, d.h. Herz oder Seele. Hiermit ist gemeint, dass das Herz die Waffe kontrolliert bzw. dass das Herz scharf, hart und ausdauernd wie eine Klinge sein soll.
In japanischen Kriegschroniken und älteren Dokumenten ist für Ninja fast ausschließlich die Kurzform Shinobi verwandt. Es finden sich in der Literatur jedoch auch andere Ausspracheformen von Ninja wie Rappa und Kusa im Hojo Godai Ki (Sengoku Shiryo Sosho, Reihe 2, Bd. 1, S. 395-397), oder Kagimono Hiki im Koyo Gunkan (der Chronik der Takeda-Familie [in Senjin Saho Shusei, S. 85]). Oft wurden Ninja auch einfach nur Kancho (Spion) oder Teisatsu (Scout) genannt.
Jutsu bedeutet Fähigkeit, Herzen, Kunst oder Technik. Soke Dr. Masaaki Hatsumi liest Jutsu
gerne mit der Aussprache von «Herz», weil das Herz eines Ninjutsubetreibenden aufrichtig und
ehrlich sein sollte. Soke Hatsumi merkt hierzu an: «Wenn das Herz nicht aufrichtig ist, wird das
Jutsu mangelhaft, und man wird sich in den Kampfkünsten nicht verbessern. Die Gier nach Sieg
wird den Sieg nicht bringen. Der Sieg muss vom Gegner selbst empfangen werden. Er hat keine
andere Wahl, als ihn zu geben, da er unser Herz als besser und wahrer empfindet. Die Natur ist
unser Verbündeter, mit ihrer Hilfe gewinnen wir. Der Gegner -- vor allem wenn er in
traditionellen Kampfkünsten geschult ist -- wird unnatürliche Bewegungen vollführen. Daher
wissen wir, was er tun wird, bevor er es tut.» Ninjutsu kann am ehesten frei mit «die Kraft des
ausdauernden Herzens» übersetzt werden.
Dr. Masaaki Hatsumi:
«Die folgenden Techniken beruhen auf dem Einsatz des Blendpulvers (Metsubushi), der Verwendung von Senban Shuriken sowie den Go Ton Tongi-Fluchttechniken unter Miteinbeziehung der fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Metall und Holz.
Päckchen mit Blendpulver und neun Wurfsterne werden in den oberen Innentaschen der Jacke verborgen. Diese überraschend eingesetzten Effekte müssen zwecks bestem Nutzen in sinnvoller Kombination mit dem Tai Jutsu eingesetzt werden.
Um die Strategien des Himmels, der Erde und des Menschen sinnvoll einsetzen zu können, muss der Ninja eins mit dem Universum werden und das Wesen der Blumen und des Bambus verkörpern. Er muss wissen, wann er sich mit dem Wind zu beugen hat und wann nicht, wenn kein Wind herrscht. Man muss die Leere selbst werden.
Wenn jemand fragt, ob es so etwas wie Grundtechniken des Ninjutsu gibt, so werden wir mit nein antworten. Wenn jemand fragt, ob er auf die eine oder andere Art die Techniken richtig ausführt, so werden wir sagen, dass es weder einen richtigen noch einen falschen Weg gibt. Die von uns Grundtechniken genannten Techniken des Ninjutsu sind nur eine Verkörperungsform des Zustandes, den man auf seinem Weg zur Erleuchtung durchläuft.»
Unter Sakki Jutsu versteht man «Die Kunst, die Mordlust zu wittern» bzw. einen sechsten übernatürlichen Sinn (Zustand des Nichts [Mu]), der einen Menschen in die Lage versetzt Dinge (und vor allem Gefahren) wahrzunehmen, die mit den «normalen» fünf Sinnen nicht erfasst werden können.
Die im Bujinkan ausschließlich von Soke Dr. Masaaki Hatsumi abgenommene Prüfung zum fünften Dan (Godan-Test / Kage No Ittogiri / Sakkijutsu), bei welcher der in Seiza No Kamae sitzende Schüler einem von Soke Dr. Masaaki Hatsumi mit einem Shinai von hinten ausgeführten Dai Jodan Giri gegen seinen Kopf ausweichen muss, geht auf die Togakure Ryu zurück und ist in deren Pergamentrollen (Densho) in dem Abschnitt «Tenmon Jimon» der Rolle «Happo Hiken» erwähnt.
«Es ist absolut essentiell, dass der Schüler und ich beide einander vertrauen. Man benötigt diese sich kaum vorstellbare Einheit, um die Godanprüfung zu bestehen. Dies ist das geistige Niveau des 5. Dan, das man erreicht, nachdem man die ersten bzw. fundamentalen vier Dangrade absolviert hat. Die Godanprüfung ist der Spiegel des Satori oder der Erleuchtung [Anmerkung: dies basiert mitunter auf einem Wortspiel, da die rechte Hälfte des japanischen Kanji für Satori wie «go» ausgesprochen wird, identisch mit Godan oder 5. Dan]. Ich nenne daher den 5. Dan den Dan der Erleuchtung, da die Godanprüfung eine wunderbare und sehr menschliche Erfahrung ist, die auf dem Überlebenstrieb der Tiere beruht. Wenn ich diese Prüfung durchführe, scherze ich nicht.»
«Ich sage meinen Schülern immer, dass es eher eine Geisteshaltung denn ein Weg der Erleuchtung ist. Im Alter wirst Du mehr Reife erlangen: An diesem Punkt versteht man auch den Spruch: Du musst selbst Vater werden, um zu verstehen, was Deine Eltern für Dich getan haben. Die Tiere verlassen ihre Eltern und gehen ihre eigenen Wege, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Bei den Menschen gibt es diese Auflösung der Familienstrukturen bzw. die Trennung von Eltern und Kindern in der heutigen Gesellschaft für gewöhnlich nicht mehr. [...] Dies führt nun erneut zurück zu der Godanprüfung, die ich in meinem Training durchführe. Wie wir schon besprochen haben, ist die Godanprüfung beinahe ein Anzeichen für das Vorhandensein tierischer Eigenschaften, denn auch der Kampf an sich ist etwas tierisches, und dies Gefühl [Sakki] ist daher essentiell. Wenn du die Godanprüfung einmal bestanden hast, so sagt dies aus, dass du die Barriere hinter dir gelassen hast und das wahre Niveau der Kampfkünste erreicht hast. Dies ist auch der Grund, weshalb bis einschließlich dem 4. Dan die Graduierungen allein aufgrund körperlicher Fähigkeiten verliehen werden. Ein einfaches Beispiel: Oft kommen Personen mit Kampfkunstkenntnissen aus Kung Fu oder Karate in unser Training und müssen schnell einsehen, dass sie allein mit ihren körperlichen Fähigkeiten nicht weit kommen; zu der Godanprüfung bedarf es etwas mehr. Aus diesem Grund bleiben auch so viele mit ihrer Graduierung stehen, wenn sie einmal den 4. Dan erreicht haben, denn die Prüfung zum 5. Dan zu bestehen ist sehr schwierig, denn nicht zuletzt greife ich allein auf meine eigenen Kriterien zurück, wenn ich Dangrade vom 1. bis zum 4. Dan verteile.»
«Bis jetzt war der Godan-Test zu einfach. Ich werde aus ihm einen wahren Godan-Test machen. Auf der ganzen Welt gibt es über 600 Godan im Bujinkan, aber nur die Hälfte davon hat während des Tests aufgeschrieen. Ich schlage mit dem Schwert voll durch. Ich schlage bis auf den Boden durch. Es ist völlig egal, ob Du das Schwert kommen spürst und auszuweichen beginnst. Wenn es Dich trifft, wärest Du tot. Aber wenn Du letztendlich den Test bestanden hast, dann kannst Du darauf sehr stolz sein.»
«Die letzten Jahre war der Godan-Test zu einfach. Diejenigen, die den Test in den letzten Jahren bestanden haben, hatten es leicht. Ich habe den Test so abgehalten, dass er Leuten aus allen Teilen der Welt offen stand. Nun ist die Zeit gekommen, wahres Budo Taijutsu zu lehren d.h. richtiges Kämpfen.»
«Das genau ist der Godan-Test. Es ist ein Kampf gegen das Unbekannte.»
«Wenn man den Godan-Test besteht, dann zeigt dies, dass man ein wahrer Budoka und bereit für das Training des «inneren Auges» ist, dem «Auge Gottes».»
«Julio hat neulich den Godan-Test bestanden. Er trainiert nun schon seit -- wie lange schon? -- 26 Jahren. Von dieser Sorte gibt es viele Menschen im Bujinkan. Das ist etwas, was Ihr immer bedenken solltet. Und vor allem respektieren solltet!»
«Nachdem auf dem Tai Kai in Spanien drei Personen den Godan-Test in Folge nicht bestanden haben, fühlte ich, dass etwas nicht in Ordnung war. Ich sandte ein Kuji und danach lief alles gut.»
«Es gibt einen 85 Jahre alten Mann in den Vereinigten Staaten von Amerika, der den Godan-Test schon viele Male probiert hat. Manche meinen bestimmt, ich sollte den Test bei ihm etwas langsamer durchführen oder nicht ganz durchschlagen. Aber dann wäre es kein Godan-Test mehr. Ich muss Gleichheit wahren -- unabhängig, ob der Kandidat jung oder alt ist.»
«Ich unterrichte Menschen mit Godan oder höheren Graduierungen, d.h. Leute, die das Gefühl haben. Versucht zu fühlen, nicht Techniken auszuführen.»
«Der Godan-Test ist nicht ein Test, ob Du dem Schwert ausweichen kannst oder nicht. Es ist vielmehr ein Test, ob Du die ganze Zeit über in Kamae bleiben kannst.»
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Im folgenden sind einige Neujahr 1891 aufgestellte Richtlinien des 32. Großmeisters der Togakure Ryu -- Shinryuken Masamitsu Toda -- wiedergegeben: